Zenit – Zeitlupe – am Ende des Alphabets?

Gabi Bucher

Die ersten beiden Zeitschriften, die kurz vor meiner Pensionierung in meinem Briefkasten lagen, hatten beide Namen, welche mit einem «Z» begannen. Ende des Alphabets – Ende des Lebens? Ebenfalls kurz vor meiner Pensionierung sagte ein Bekannter zur mir: «Die Pensionierung ist das Einzige, was keiner überlebt.» So gesehen war das mit diesem «Z» nicht so daneben.

Es galt nun also, sich zu überlegen, was mit dieser nicht überlebbaren Endzeit noch angestellt werden könnte. Darüber erzählten die Zeitschriften mit dem «Z» spannende Geschichten. Nur – wollte ich wirklich in den Ardennen einen Bauernhof renovieren und seltenes Getreide anpflanzen, oder Marathon laufen, ein Studium anfangen oder in der Ukraine eine Bäckerei aufbauen? Ich fühlte mich vorübergehend ziemlich unter Druck ge(z)setzt.

Zwei Jahre sind vergangen und ich habe mir inzwischen mein eigenes weit weniger ambitiöses aber für mich passendes Programm zusammengestellt. So fahre ich schon mal auf ein Glas Weisswein nach Sion an den Wochenmarkt, besteige bei schönem Wetter den Napf, treffe mich mit Bekannten, für die ich früher keine Zeit hatte und geniesse mittlerweile Kultur auch über die Kantonsgrenze hinaus. Daneben leiste ich Freiwilligenarbeit, einerseits um mein manchmal fast etwas schlechtes Gewissen über mein gutes Leben zu beruhigen, andererseits komme ich dabei in Berührung mit einem Umfeld, das mir bis anhin fremd war.

Mein Zeitmanagement fühlt sich zwar manchmal an wie ein kleines Unternehmen und ich konsultiere täglich meine Agenda, um mich nicht zu verlieren. Aber es hat etwas total Lustvolles, nur noch das tun zu dürfen was Spass macht. So gesehen fühle ich mich überhaupt nicht am Ende des Alphabets oder des Lebens! …und auch wenn die Pensionierung nicht überlebt werden kann, ausgelebt werden kann sie durchaus, und dies hoffentlich bis zum Ableben.