Man sieht nie alles!

Peter Weingartner

Im provenzalischen Dorf La Garde-Freinet, kurz vor der Rückreise aus den Herbstferien. Ich parkiere; meine Frau kauft noch Proviant ein. Ich sitze im Auto, sehe auf dem Fenstersims auf der rechten Strassenseite eine Katze. Sie putzt sich und blickt hinunter. Dann streckt sie sich, zittert, wie Katzen sich zu strecken pflegen, auch wenn der Platz beschränkt ist, ein Fenstersims eben.

Und aus dem Autofenster fahrerseits dieses Bild. Man sieht nie alles. Einiges kann man sich vorstellen, und einiges zeigt der Schatten. Die ganze Wahrheit gibt es nicht. Ich beobachte gerne. Menschen und Dinge. Und manchmal drängt es mich, Beobachtungen aufzuschreiben. Das kann dann eine Geschichte geben. Schreiben ist ein Spiel mit Möglichkeiten. Und es kostet nichts. Das habe ich früh gemerkt. Als eine Tageszeitung, die Luzerner Neusten Nachrichten, kurz LNN, auf der Kulturseite noch Gedichte veröffentlichte. Mitte der siebziger Jahre.

Wahrnehmen. Sehen, Riechen, Hören. Mein erstes Hörspiel, 1982, geht auf eine Langzeitbeobachtung zurück: Es zeigt, wie ein Mensch von Behörden und Kirche fertig gemacht wird. Das letzte, dieses Jahr gesendet, wirft, von einem Quartierfest ausgehend, einen Blick auf die komplizierte Welt von heute. Auch als Mittsechziger, pensionierter Sekundarlehrer, bin ich journalistisch vorab für die Aargauer Zeitung unterwegs. Die Welt ist schön und schwierig; man möchte sie verstehen, doch manchmal zeigt sich das Wichtigste nicht direkt. Siehe Bild!

Peter Weingartner, Triengen, als Sekundarlehrer in Pension, als Schreiber journalistisch und literarisch aktiv.