Ich und das Schreiben

Gabi Bucher

Eine meiner ersten Geschichten handelte von einem sprechenden Tannzapfen. Da war ich noch sehr, sehr jung, gut behütet, im behäbigen Bernbiet ansässig und Schreiben war ein Ventil für meine überbordende Fantasie.

Lange Briefe an Freunde folgten aus meinen – selbstgewählten – Exil-Jahren in Genf, nun eher als Ventil für emotionale Höhen- und Tiefflüge und andere Seelenzustände. Schreiben half mir, das eine oder andere zu verarbeiten. Zahllose Tagebücher zeugen ebenfalls davon. Wieder ein paar Jahre später dann eine neue Situation in einem neuen Landesteil: Haus und Herd in Sursee, später Oberkirch, mit zwei Kleinkindern, die wie erwartet, zu pubertierenden Jugendlichen mutierten. Pubertierende Jugendliche, Herd und Haushalt waren für mich eine echte Herausforderung und so wurde das Schreiben Ventil für meine Alltagsprobleme. In Form einer Kolumne in der Surseer Woche verarbeitete ich, was grad wieder mal nicht rund lief, mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass ich dafür ein Honorar kriegte!

Heute ist mein Leben ruhiger geworden, die Kinder schon lange ausgezogen, die Fantasie ziemlich verblüht. Schreiben tue ich immer noch, für die Hauszeitung der Rollstuhlfahrer, das Mitarbeitermagazin des Paraplegiker-Zentrums, ab und an Kultur-Kritiken und ganz neu nun auch für Sie. Alles aber nur noch auf Auftrag und ohne irgendwelche therapeutische Absichten.